Dekanatskirche Niederwiltz
Der ältere Bauteil der heutigen, den Aposteln Petrus und Paulus geweihten Dekanatskirche von Niederwiltz gehört zu den wichtigen Zeugnissen spätmittelalterlich-gotischer Baukunst in Luxemburg. 1510 wurde nach einer Brandkatastrophe unter Wiederverwendung der noch erhaltenen Bausubstanz eine neue Kirche errichtet, in welche der seitliche hochmittelalterliche Chorraum integriert wurde. Die damals entstandene zweischiffige Hallenanlage des Langhauses, an das sich ein gleich hoher polygonaler Chor anschließt, findet sich wieder in den etwas früher errichteten Kirchen und Kapellen von Vianden (Trinitarier-Kirche), Diekirch, Longsdorf, Neuerburg und Mettendorf. Leider ist das ursprüngliche Raumbild des gotischen Bauteils 1734 infolge der Vergrößerung der Fensterflächen beeinträchtigt worden. 1841 wurde die Kirche erweitert. Da jedoch der Erweiterungsbau nicht überzeugend war, wurde er 1937 durch den heutigen Chorraum und das heutige Querhaus ersetzt.
Das historische Mobiliar der ins Mittelalteralter zurückreichenden Pfarrkirche wird greifbar in den beiden Barocken Nebenaltären, die 1720 und 1722 von den Handwerkerzünften der Stadt Wiltz gestiftet wurden und auf denen die Statuen der verschiedenen Zunftheiligen aufgestellt sind. Es sind die Schutzpatrone der Schuster, Schmiede, Wollweber, Metzger und Krämer. Vom Wiltzer Bildhauer Nicolas Jacque stammen vermutlich die im Querhaus des neuen Bauteils untergebrachten Statuen der beiden Kirchenpatrone Petrus und Paulus. Den spätgotischen Chorraum beleben die aus dem 18. Jahrhundert herrührenden Bildwerke des hl. Rochus und des hl Sebastian, die in der Neuzeit als Pestheilige angerufen wurden.
Im alten Chorraum befindet sich seit 1734 die Grabkapelle der Herren von Wiltz. Wie in manchen Ortschaften, in denen die Adelsfamilie ihre Schlossresidenz hatten, erinnern auch hier die aufbewahrten Grabmäler aus der Renaissance- und Barockzeitalter an die Herrschaft von Wiltz. Ein wertvolles schmiedeeisernes Gitter, 1734 entstanden, trennt den Chorbereich von der Grafenkapelle. Es gehört zu den in Luxemburg selten anzutreffenden Schöpfungen der barocken Schmiedeeisenkunst, die vor allem in den größeren Abteien des Herzogtums ausgeübt wurde. Der Ortüberlieferung nach ist dieses Gitter in der Abtei von Saint-Hubert hergestellt worden.
1997 wurde der neue Chorraum umgestaltet und die große Eisenbarth Konzertorgel installiert. Im Jahr 2006 wurde mit den umfangreichen Restaurierungs- und Konsolidierungsarbeiten im alten Chorraum.
Michel Schmitt, Wegführer zu Luxemburgischen Kirchen und Kapellen, Editions Saint-Paul Luxembourg, 1996, ISBN 2-87963-258-7, S. 61; 68,69
|