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Das nationale Streikdenkmal

Architekt: Roger Wercollier
Künstler: Lucien Wercollier
Wiltz rue du 31 août 1942

 

Der Zweite Weltkrieg von 1939-45 schlug den Wiltzern Wunden, die bis heute noch nicht geheilt sind. Nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht wurde in Luxemburg der Generalstreik ausgerufen. 21 Luxemburger, unter ihnen 4 Lehrer und 2 Gemeindebeamte aus Wiltz, wurden deswegen vom deutschen Okkupanten erschossen. Viele Wiltzer sollten in den kommenden Jahren diesem mörderischsten aller Kriege zum Opfer fallen. Am Ende waren von den 4000 Einwohnern 27 Familien mit 91 Personen umgesiedelt, 15 Männer starben in Konzentrationslagern, 164 Jungen wurden in die deutsche Wehrmacht zwangsrekrutiert, 42 fielen, 15 sind vermisst und 21 kamen verstümmelt zurück. Die Ardenneroffensive 1944-45 forderte nochmals 50 Menschenleben. Dabei wurden 80% der wiltzer Häuser zerstört oder beschädigt. Nach dem Krieg erhielt Wiltz den Ehrentitel Märtyrerstadt. Das Nationale Streikdenkmal und das Fatima-Denkmal „op Bässent“ zeugen noch heute von dieser schrecklichen Zeit.

Jedes Jahr findet am 31. August um 11Uhr30 eine feierliche Kranzniederlegung im Beisein der betroffenen Familien und der nationalen sowie lokalen Autoritäten statt.  

(Wiltz, Portrait d’une Ville, Syndication d’Initiative et du Tourisme, 1987, S.. 22)

 

Das Denkmal aus der Sicht des Bildhauers Lucien Wercollier

Das Aussehen der Skulpturen am Denkmal ist sowohl von ihrer Mission, die ihnen übertragen wurde, als auch vom Platz an dem sie sich befinden bestimmt. Sie erinnern an den Streik von 1942 und an den Widerstand im Allgemeinen, sie sollen an erschütternde, heroische und zugleich schreckliche  Stunden erinnern, sie mussten sich jedoch der Architektur des Baues anpassen. Sie sollten ein gewissen Pathos heraufbeschwören, sollten aber ebenso in ihrer Monumentalität ausdrucksstark bleiben.

 

Wie kann man den Widerstand darstellen, mit dem sich das kleine luxemburgische  Volk erdreiste sich der Brutalität des Nazi Kolosses entgegenzustellen?

Ich habe gedacht, dass der schmächtigen David mit seiner Schleuder den Kämpfer deutlich darzustellen vermag,  den alles zu enttäuschen trachtete  und dessen Tat jedoch sehr  wirksam war. Die Gestalt der Befreiung die sich über David befindet, entspringt aus dessen Kraft.  

Das zweite Relief das sich auf der Nordseite des Denkmals befindet, ist den Streikopfern, die im Kugelhagel des Feindes starben, gewidmet.

 

Die Stärke des Ausdrucks beruht nicht auf den Gesichtern, sondern in der dargestellten  Haltung und der Gesten. Sämtliche anatomischen Details wurden weggelassen. Man muss die Reliefs mit einem gewissen Abstand  betrachten, und aus dieser Entfernung hätte man die Gesichtsausdrücke sowieso nicht erkannt (ebenso hätte eine fratzenhafte Darstellung weder ein rührendes noch ein monumentales  Gefühl hervorgebracht).

Die Gestalt des heiligen Sebastian, in der Krypta, wächst aus dem Lebensbaum hervor, der den Altartisch trägt. Es schien mir notwendig die Einheit zwischen dem Heiligen und dem Baum darzustellen. Mit dieser dünnen, langgezogenen Gestalt, unter  Missachtung jeglicher menschlicher Ähnlichkeit, wollte ich nicht nur an das Märtyrertum schlechthin, sondern auch an die ausgemergelten, skelettierten Widerstandskämpferr, die durch die Hölle der Konzentrationslager gegeangen sind, erinnern.

Luxemburger Wort 30. September 1956.

 

 

 

 

» weitere Bilder

» Inschriften der Gedenktafeln aus schwarzem Granit in der Krypta des Monumentes

» Discours prononcé par Monsieur Pierre Frieden,  Ministre de l’Education National, lors de l’inauguration du « Monument National de la Grève 1942 » , le 30 septembre 1956

» Texte de Monsieur Pierre Frieden,  Ministre de l’Education National, dans la brochure parue à l’occasion de l’inauguration du « Monument National de la Grève 1942 » , le 30 septembre 1956

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